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30.3.2017 - 18:44

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8. Kriegszeit in Pappenheim

8.1 Pappenheim in den Anfängen des Zweiten Weltkrieges

Bergfried mit Hakenkreuzfahne

Dass die Stimmung in Pappenheim - wie schon erwähnt - eher pro-nationalsozialistisch war und im neuen Schloss auch schon vor 1933 paramilitärische Übungen stattfanden, lässt den Schluss zu, dass zumindest die männlichen Pappenheimer dem Krieg nicht kritisch gegenüberstanden. Durch die Organisationen wie die Hitlerjugend schon teilweise von früher Kindheit an mit militärischer Disziplin und Führertreue vertraut gemacht, ist es kein Wunder, dass – zumindest die jungen Soldaten – bedenkenlos in eine der größten Katastrophen des 20.Jahrhunderts zogen.

Ansonsten blieb Pappenheim in der Zeit des beginnenden Krieges relativ unberührt, was sich im Laufe der folgenden Jahre jedoch  ändern sollte.

Noch eines ist anzumerken: Der Bürgermeister von Pappenheim, Dr. Ehrlicher gab 1939 sein Amt auf und meldete sich wahrscheinlich freiwillig zum Kriegsdienst.

Das Amt des Nachfolgers begleitete nun der Schreinermeister Alois Kleber. Ein paar kurze Anmerkungen zur Person Alois Klebers dürfen hier nicht fehlen, es ist jedoch nötig zu differenzieren:

Alois Kleber muss zwar überzeugter Nationalsozialist und Mitglied der NSDAP gewesen sein – sonst hätte er das Amt des Bürgermeisters nicht übernehmen können  -  dennoch machte er sich um die Stadt Pappenheim verdient. Er setzte sich zum Beispiel wenige Jahre nach Beginn des Krieges für zwei Pappenheimer ein und verhinderte ihre Deportation. Einer dieser Bürger war der Pappenheimer Hr. S., der als „nicht zurechnungsfähig“ galt.

Es ist einer dieser Verdienste, der im Laufe der Zeit vergessen wird und – wenn auch von einem Nationalsozialisten – von Zivilcourage zeugt.

In den Anfangsjahren des Krieges wurden verschiedene Lager in Pappenheim errichtet, so wurde im Bereich der heutigen Brauerei Wurm ein Lager der Reichkriegsmarine eingerichtet. Dies beinhaltete kleinere Boote, Uniformen, Klamotten und Matratzen. Ein weiteres Lager für Matratzen befand sich in einem der beiden Schlösser Pappenheims, ein Lager der Reichsbahn war auf  Burg Pappenheim eingerichtet.

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8.2 Abzug der Wehrdienstfähigen

Letztendlich blieb natürlich auch Pappenheim nicht vom Krieg verschont, Wehrdienstfähige Männer mussten Dienst an der Waffe leisten. Bedeutend für Pappenheim innerhalb der ersten Wochen war die Einberufung eines Großteils der männlichen Bürger zum Wehrdienst. Genaue Zahlen, wie viele Pappenheimer eingezogen wurden und vor allem wann dies geschah, ließen sich nicht mehr ermitteln, da einige wichtige Akten in den letzten Kriegswochen verbrannt oder anderweitig vernichtet worden waren. Wahrscheinlich fand die Vernichtung der Akten im Bereich des Lungensanatoriums statt.

Aus den Aussagen einiger Zeitzeugen lässt sich schließen, dass in Pappenheim, die Anzahl der einberufenen Männer nicht gering war,

existierten doch in Pappenheim keine kriegswichtigen Fabriken oder Fertigungshallen, denen es einigen Pappenheimern ermöglicht hätte als „unabkömmlich“ gelten zu können.

Weiterhin lassen sich die Berichte der Zeitzeugen durch die große Anzahl der gefallenen Pappenheimer bestätigen.

Der Abzug großer Teile der männlichen Bevölkerung hatte natürlich Auswirkungen auf die Wirtschaft der Gemeinde, waren doch die wehrdienstfähigen Männer gerade diejenigen, die in den Pappenheimer Geschäften, Fabriken und Handwerksbetrieben arbeiteten.

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8.3 Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die Stadt

Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges wurden schon bald spürbar, an der Lage der Bevölkerung lässt sich dies am besten erkennen. Zur gerechten Verteilung von Lebensmitteln wurden so genannte Bezugsscheine eingeführt, die es jedem Pappenheimer ermöglichten, eine bestimmte Menge an Nahrung zu erhalten. Die Versorgung der Bevölkerung spitzte sich zum Ende des Krieges zu, jedoch musste in Pappenheim niemand aufgrund von Unterernährung sterben. Man beschaffte sich durch „Hamsterfahrten“ bei Bauerhöfen auf dem Land Nahrung, wenn man dort nicht sowieso schon Verwandte hatte, die einem halfen. Viele Pappenheimer besaßen darüber hinweg auch einen eigenen Garten, was zur Sicherstellung der Ernährung mit beitrug .

Die Einrichtung von Luftschutzkellern wurde vom Bürgermeister A.Kleber. durchgeführt. In Pappenheim befanden sich folgende Luftschutzkeller: Im Bereich der jetzigen Brauerei Wurm, im Bereich des Lungensanatoriums in einem ehemaligen Bierkeller und am oberen Burgtor, der vormals als Kartoffelkeller diente.

„Fast über Nacht“ kamen ca. 2000 Flüchtlinge aus allen Teilen Deutschlands nach Pappenheim, die Bewältigung der Unterbringung der Flüchtlinge war eine enorme logistische Herausforderung für A. Kleber, so musste er z.B. auch einmal Räume in einer der beiden Kirche konfiszieren, um dort die Flüchtlinge unterzubringen. Wann diese „Flüchtlingswelle“ nach Pappenheim kam, lässt sich nicht genau datieren, wahrscheinlich aber in den Jahren 1943 – 1945.

Die Flüchtlingswelle schlägt sich natürlich auch in den Einwohnerzahlen nieder, hatte Pappenheim (inkl. der Gemeinden) 1939 noch 3497 Einwohner, so wuchs diese Zahl bis 1950 auf 5276.

Natürlich wurden auch in Pappenheim Kriegsgefangene zur Arbeit eingesetzt, ein Versuch, den Mangel an männlichen Arbeitskräften zu beheben. Die Unterbringung und Lebensbedingungen der fünf französischen und acht russischen Kriegsgefangenen unterschieden sich gravierend. Bekamen die Franzosen ausreichend Nahrung, so war der Hunger bei den russischen Kriegsgefangenen so groß, dass einer von ihnen bei Arbeiten am Bahnhof in eine Wohnung gerannt kam und verzweifelt um Brot und Salz bat, was er dann auch erhielt. Anzumerken sei noch, dass dies wieder ein Beispiel für Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft ist, die Weitergabe von Nahrungsmittel an Kriegsgefangene wurde in ganz Deutschland hart bestraft.

Das NSKK hatte die Aufgabe verwundete Soldaten am Bahnhof Treuchtlingen abzuholen und ins Pappenheimer Lungensanatorium (jetziges Haus Altmühltal) zu fahren, wo ihre Verletzungen behandelt wurden.

Opfer von Luftangriffen während des Krieges wurde Pappenheim nur ein einziges Mal, gegen Ende des Krieges. Ein amerikanisches Jagdflugzeug entdeckte  einen abfahrenden Zug, der am Bahnhof in Pappenheim kurz Halt gemacht hat, der Angriff des Tieffliegers konnte aber durch die Bahnangestellte Frau Traudl S. abgewendet werden. Sie ließ den Zug genau an der Stelle zwischen Pappenheim und Treuchtlingen stoppen, an dem der Tiefflieger den Zug aufgrund des Waldes und der Lage der Bahngleise nicht mehr einwandfrei ausmachen konnte.

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8.4 „Freiheitsaktion Bayern“

Die „Freiheitsaktion Bayern“ beschreibt das gegen Kriegsende eingetretene Bestreben innerhalb Süddeutschlands unter der Führung von Hauptmann Rupprecht Gerngroß, Major Alois Braun und Leutnant Ottoheinz Leiling, die nationalsozialistische Regierung abzusetzen und die Regierungsgewalt zu übernehmen.

Die „Freiheitsaktion Bayern“ hatte zum Ziel, den Widerstand der Wehrmacht,  der SS (Schutzstaffel) und der WSS (Waffen – Schutzstaffel) durch Erlangen der Regierungsgewalt in München zu unterbinden und weiteres sinnloses Sterben zu verhindern.

Dies gelang leider nicht, mehr noch, die vorschnelle Behauptung, sie hätten„[…] heute Nacht die Regierungsgewalt erstritten […]“ führte dazu, dass einige Dörfer und Städte sich vorschnell auf eine gewaltlose Übergabe an die Amerikaner vorbereiteten.

Wurde dies den versprengten Teile der SS und WSS bekannt, wurden die Initiatoren der geplanten friedlichen Übergabe meist an Ort und Stelle erschossen.

Die Kontaktaufnahme einiger Mitglieder der „Freiheitsaktion Bayern“ mit der 86 Infantry Division fand in der von Pappenheim aus nördlich gelegenen Gemeinde Neudorf statt.

Anzumerken sei noch, dass die Versuche der Zusammenarbeit mit der 86. Infantry Division scheiterten, die führenden Köpfe der Freiheitsaktion verkannten die tatsächliche militärische Lage in Bayern.

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