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23.6.2017 - 17:31

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9. Kriegsende in Pappenheim

9.1 Die Wehrmacht in Pappenheim

In Pappenheim waren ab Ende 1944 deutsche Soldaten stationiert, die „Wehrersatzinspektion“ hatte ihr Büro in einem der Schlossflügel des neuen Schlosses. Dienstoberster war General W., ein Mann von ca. 60 Jahren, der bei seinen Untergeben sehr beliebt war. Die Soldaten waren meist Ältere und teilweise auch Kriegsversehrte, mehr als 100 dürften es jedoch nicht gewesen sein. Zweck der Wehrersatzinspektion war, wie der Name schon sagt, die Auffüllung der Ersatzheere durch Rekrutierungen. In wieweit Pappenheimer davon betroffen waren, bleibt bislang unklar.

Der Bevölkerung kam die Anwesenheit der Soldaten zugute, auch wenn sie ihnen Zimmer bereitstellen mussten, da die meisten Soldaten bei Privatpersonen untergebracht waren. So nahmen die Soldaten ihr Essen in den Pappenheimer Wirtschaften ein, es ist davon auszugehen, dass dabei auch für einige Pappenheimer Bürger etwas übrig blieb, die Nahrungsmittel wurden vom Militär geliefert.

Es war General Wagner, der zusammen mit dem Bürgermeister A. Kleber später die Stadt vor der Zerstörung und den dabei sicherlich entstandenen Opfern  aus der Zivilbevölkerung bewahren wird, darauf soll jedoch später speziell eingegangen werden.

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9.2 86. Infantriedivision kommt nach Pappenheim

Lungensanatorium

Gegen Ende des „1000-jährigen Reiches“ blieb natürlich auch Pappenheim von den Wirren und Schrecken der letzten Kriegswochen nicht verschont.

Wenige Tage bevor die Amerikaner Pappenheim erreichten, wurden von Angehörigen der SS  Sprengladungen an der Altmühlbrücke innerhalb Pappenheims angebracht, es handelte sich um ca. zwei Zentner Dynamit.  Es ist einer der größten Verdienste Alois Klebers für die Stadt Pappenheim, dass er die Sprengung der Brücke verhinderte, indem er die Brücke „unter Einsatz des Volkssturms“ unpassierbar machte und somit eine Sprengung überflüssig wurde.

Die Auswirkungen der Sprengladungen wären für das jetzige „Hotel Krone“ und das neue Schloss fatal gewesen. Nach Einschätzungen von Herrn Kleber jun. hätte diese Sprengladung massive Schäden an den Gebäuden verursacht.

Die Wehrersatzinspektion hatte zu dieser Zeit Pappenheim schon verlassen, General W. entließ die Soldaten und machte sich selbst auf den Weg in seine Heimatstadt am Tegernsee.

 Wenige Tage vor dem Abmarsch der Wehrersatzinspektion fuhren der General und der Bürgermeister Alois Kleber die Ortsteile und Straßen Pappenheims ab und entschieden sich, in Anbetracht der aussichtlose Lage, Pappenheim nicht zu verteidigen. Zuvor war jedoch die Frage im Gespräch, ob man Pappenheim nicht doch verteidigen könnte, befanden sich doch die Soldaten der Wehrersatzinspektion noch in Pappenheim, sowie auch die Soldaten, die im Lungensanatorium behandelt wurden, die notfalls ebenfalls Widerstand gegen die einrückenden amerikanischen Streitkräfte leisten konnten.

Dass bei der Person Alois Kleber differenziert werden muss, zwischen dem Nationalsozialisten und dem Mann, der sich für Pappenheim unumstritten verdient machte, soll hier noch einmal erwähnt werden. Es ist größtenteils dem ehemaligen Bürgermeister zuzuschreiben, der, mit der Entscheidung, Pappenheim nicht zu verteidigen, Menschenleben rettete.

Die Männer der 86. Infantry Division („seven steps to hell“) der US-Army kamen am 24. April 1945 aus Richtung Göhren nach Pappenheim. Sie feuerten kurz vor Pappenheim über die Stadt hinweg einen Warnschuss, der – wie der Zufall so wollte – genau in eine Hütte im Bereich der Bahngleise am anderen Ende der Stadt einschlug. Pappenheim selbst wurde in keinster Weise von der US – Army beschossen, die 2 Kompanien, ca. 240 Mann stark,  trafen in Pappenheim auf keinerlei Widerstand.

Die Bevölkerung Pappenheims, die natürlich vor den einrückenden Amerikaner Angst hatte, versteckte sich teilweise im Bereich des Lungensanatoriums, wahrscheinlich in den Kellern, die früher als Bierkeller dienten. Der Einmarsch der Amerikaner imponierte vor allem den jüngeren Pappenheimern, die trotz der vermeintlich drohenden Gefahr, einen Blick auf die amerikanischen Besatzer warfen.

Zu dieser Zeit, wahrscheinlich jedoch schon einige Tage früher, müssen die Unterlagen des Rathauses, wie z.B. Parteibücher oder ähnliche Dokumente, die Auskunft über NS-Tätigkeiten innerhalb Pappenheims geben könnten, vernichtet worden sein.

Natürlich sorgte man schon jetzt dafür, dass für die baldigen Anklagen und darauf folgende Bestrafung so wenige Beweise wie möglich vorhanden waren. Wann und vor allem wer die Unterlagen vernichtet oder versteckt hat, bleibt weiterhin unklar.

Ein Kuriosum ist noch nachzutragen, der Chefarzt der Lungenheilsanstalt, Dr. W., traf aus purem Zufall auf einen alten Bekannten, einen amerikanischen Offizier. Vermutlich hatten die beiden zusammen studiert und trafen sich dort – wenn auch unter widrigen Umständen – wieder.

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9.3 Widerstand der Wehrmacht und der Waffen – SS

Auch wenn die 86. Infantry Division in der Stadt selbst auf keinen Widerstand traf, so richteten sie im Bereich der heutigen Brauerei Wurm eine Stellung von Mörsern ein, die in Richtung Übermatzhofen bzw. Niederpappenheim schossen, da dort wahrscheinlich noch Feinde vermutet wurden.

Tatsächlich befanden sich dort noch versprengte Teile der Waffen-SS, der SS, und der Wehrmacht. Nach der Schätzung eines Zeitzeugen dürfte ihre Anzahl aber nicht mehr als 30 gewesen sein.

Das Gebiet Niederpappenheims bzw. die Strecke nach Übermatzhofen wurde am selben Tag noch hart umkämpft, trotz der immensen Übermacht amerikanischer Soldaten kämpften die deutschen Soldaten dort verbissen einen aussichtslosen Kampf.

Einen sinnlosen Tod starben dort nach Schätzungen eines Zeitzeugen ca. 16 Deutsche und eine wahrscheinlich geringfügig größere Anzahl von Angehörigen der US – Army. Es gehörte zu einer der letzten Amtshandlungen des Bürgermeisters Alois Kleber, die Toten dort bergen und bestatten zu lassen.

Die deutschen Soldaten liegen im Niederpappenheimer Friedhof begraben, jedoch nicht alle der geschätzten 16 Gefallenen. Es sind lediglich Aufzeichnung über neun dort begrabene Soldaten vorhanden, sie stammten aus Truppenteilen oder Verbänden, die sich dort noch zusammenschlossen (oder von fanatischen Offizieren dazu gezwungen wurden) mit dem Ziel, die Übermacht der Amerikaner zu bekämpfen. Doch nicht nur Angehörige der Waffen - SS, den „Kettenhunden Hitlers“, liegen dort begraben, auch musste  ein Luftwaffenhelfer dort sein Leben lassen. Vier der dort begrabenen Soldaten ließen sich nicht mehr identifizieren.

Der  Friedhof in Pappenheim war bis 1959 Ruhestätte für 51 Gefallene, zwei der dort ruhenden Soldaten wurden im Ersten Weltkrieg getötet. 1959 wurden die Gräber umgebettet, sie befinden sich nun im Ehrenfriedhof in Treuchtlingen.

Die Gräber der Soldaten, die in Niederpappenheim bzw. Übermatzhofen fielen, waren von der Umbettung nicht betroffen.

Der 24.04.1945 stellt für Pappenheim einen der dunkelsten Tage der Geschichte dar, starben dort deutsche und amerikanische Soldaten einen sinnlosen Tod, den deutsche Offiziere hätten vermeiden können.

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9.4 Übergabe Pappenheims an die Amerikaner

Nachdem der Bürgermeister und General W. die Kapitulation der Stadt beschlossen hatten, wurde um zehn Uhr vormittags am 24.05.1945 auf dem Rathaus die weiße Flagge als Zeichen der Kapitulation gehisst, eine der letzten Amtshandlungen des Bürgermeisters Alois Kleber.

Dennoch war es nicht der Pappenheimer Bürgermeister, der die Stadt an die Amerikaner übergab. Der Sozialdemokrat und Bürgermeister von 1945 bis 1948, Max Oppel, übergab Pappenheim letztendlich an die Amerikaner. Ein Vorgang, der auch heute noch einigen Pappenheimern in Erinnerung geblieben ist.

Max Oppel, damals Mitglied des Roten Kreuzes, ging mit seiner Frau zusammen den Amerikaner entgegen und übergab ihnen die Stadt, mit der Versicherung, dass Pappenheim von deutscher Seite aus nicht verteidigt wird.

Hier endet für die Stadt Pappenheim das „1000-jährige Reich“ nach nur 12 Jahren.

Was Pappenheim nun erwartete, war das „Programm“ der Militärregierung für Deutschland: Entmilitarisierung, Verhaftungen, Verurteilungen der NS -Belasteten, etc. und natürlich auch die Entnazifizierung, so wurde z.B. die Mutter eines Zeitzeugen zu einer Strafe von 200 Reichsmark verurteilt, lediglich deswegen, weil sie für die Soldaten der Lungenheilstätte Socken stopfte. Inwieweit die Pappenheimer Nationalsozialisten in Haft waren, lässt sich nur schwer sagen, aber es steht fest, dass alle „NS - Persönlichkeiten“ Pappenheims nach relativ kurzer Zeit wieder in Pappenheim waren - allerdings soll dies nicht als verbindliche Aussage gewertet werden.

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9.5 Die Opfer der Pappenheimer Bevölkerung

Gedenksteine auf dem Friedhof

Wie bereits erwähnt hatte Pappenheim keine Opfer an Zivilisten zu beklagen, jedoch kamen nachweislich 90 Pappenheimer Bürger aus der Stadt selbst und den zwei Dörfern Göhren und Geislohe im Zweiten Weltkrieg ums Leben. Eine Frau starb bei dem Bombenangriff auf den Bahnhof in Treuchtlingen am 23.2.1945.

Die Soldaten fielen an verschiedenen Orten und Ländern, wie z.B. Frankreich, Russland (Stalingrad), Griechenland, Ukraine, Lettland, Finnland, etc.

Als vermisst gemeldet wurden acht Pappenheimer, drei davon sind in Stalingrad verschollen, es ist davon auszugehen, dass sie fielen.

Betrachtet man die Anzahl der Toten und Vermissten (98 Pappenheimer) und vergleicht man sie mit der Bevölkerungszahl für das Jahr 1933, die um ca. 1750 Einwohner lag, so fielen im Zweiten Weltkrieg mehr als fünf Prozent der Bevölkerung Pappenheims dem Krieg zum Opfer.

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