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Sehnsucht nach Frieden, Freiheit, Normalität-Palästina 2014

"Zugvögel" Wer denkt bei dem Stichwort „Palästina“ an Musik und Poesie? Als erstes steigen Bilder von Krieg, Kampf, Mord und Raketenbeschuss auf, die man so oft in den Nachrichten gesehen hat. Doch um den Konflikt sollte es nicht vorrangig gehen, als Marwan Abado und Viola Raheb letzte Woche auf der Remise des K14 Haus der Bürger Pappenheim Klosterstraße 14 auf Einladung des Kunst- und Kulturvereins auftraten und sofort die vielen Zuhörer in ihren Bann zogen. Da genügten schon die vielen kleinen Schikanen und die diskriminierenden Unterschiede bei der Einreise von Mutter und Kind in ihr Geburtsland Palästina ... und die ersten Zupflaute eines für Westeuropäer fremden Instruments.

Aber an diesem lauschigen Sommerabend entführten einfühlsame Musik und Poesie in ein ganz anderes Palästina. Der Künstler Abado komponiert, vertont eigene Texte, aber auch Gedichte bedeutender palästinensischer Poeten wie Mahmoud Darwisch oder Salman Masalha. Marwan Abado engagiert sich aber auch mit seiner Frau Viola vehement für Frieden, Freiheit, Normalität durch Entspannung, Anerkennung und Menschenwürde.

Kulturreferentin Christa Seuberth und KuKu-Beirätin Uschi Kreißl begrüßten mit herzlichen Worten die Künstlerfamilie und die vielen erwartungsfrohen Besucher auf der Remise. Uschi Kreißl sah das Auftreten von Viola Raheb und Marwan Abado als weiteres Mosaiksteinchen der "Interkulturellen Dialoge" an, wie man sie hier beim Kunst- und Kulturverein in Pappenheim schon lange und vielschichtig pflegt.

Abado stammt aus einer christlich-palästinensischen Familie im Libanon. Seit mehr als 25 Jahren lebt er in Wien, wohin er vor dem Bürgerkrieg geflohen ist. Als Komponist, Texter und Musiker der 'Oud', der arabischen Kurzhalslaute, ist er inzwischen international bekannt geworden und gewann bedeutende musikalische Preise. 2008 erhielt er das Bundesehrenzeichen für Interkulturellen Dialog vom österreichischen Staat, seiner Familie jetziger Heimat.  Marwan Abado leitete beispielsweise 2002 das Jugendorchester der Bayreuther Festspiele, und brachte dort israelische und palästinensische Musik mit europäischer Orchestermusik zusammen.

Die musikalische Seite von Viola Raheb kommt im Gesang ihrer Lieder, ob solo oder im Duett mit Marwan Abado zur Geltung. Als christliche Palästinenserin wuchs Viola nur wenige Meter neben der Geburtskirche in Bethlehem auf. Sie studierte in Heidelberg evangelische Theologie und Pädagogik. Sieben Jahre leitete sie verantwortlich als Schulrätin die evangelisch-lutherischen Schulen in Palästina und Jordanien, bevor sie wegen ihrer Heirat mit Marwan Abado ebenfalls Österreich, hier Wien als ihre vorläufige Heimat wählte. Beide haben einen gemeinsamen 12jährigen Sohn.

Die unterschiedliche palästinensische Herkunft beider verhindert, dass sie im Libanon oder in Bethlehem leben können. Viola Raheb hat mehrere Bücher verfasst. Über ihre Herkunft in Bethlehem und die Erfahrungen unter Besatzung aufzuwachsen, schrieb sie in dem Buch „Geboren zu Bethlehem“. Wie sich der Blick auf Palästina und sich selbst verändert, und was sie in ihrer neuen Heimat Österreich wahrnimmt, das hat sie in dem Buch „Nächstes Jahr in Bethlehem“ zum Ausdruck gebracht. Die schönsten palästinensischen Gedichte in deutscher Übersetzung und einige Passagen aus ihrem Buch rezitierte Viola Raheb an diesem Abend.

„Zugvögel“ heißt das Hörbuch des Künstlerpaares. Zugvögel sind alle beide, zu Hause in den Welten zwischen Orient und Okzident und gleichzeitig unterwegs, Brücken bauend durch Musik und Poesie. Das spiegelt die berauschend, für unsere Ohren fremdartige Musik und die gutturalen Gesänge von Marwan Abado und Viola Raheb wider: sie vereint arabische Musiktradition, westlich geprägten Jazz und europäische Klassik zu einem ganz eigenen Klang und Stil. Schließlich musiziert er nicht nur Solo, sondern immer wieder mit Musikern und Musikerinnen aus allen möglichen Kontinenten und mit Orchestern von Weltruf!

Die jüngste CD des „Palästinensers aus Ottakring“ heißt „Nard", übersetzt „Würfel“. Das Schicksal, der Schmerz, das Glück, Abschied und Heimkehr sind die Themen, die sich in melancholischen und hoffnungsvollen Melodien Bahn brechen. Palästina voll Musik und Poesie – man erlebte ein ganz neues Hörerlebnis!

Die vielen Zuhörer auf der voll besetzten Remise am K14 Haus der Bürger dankten es dem Künstler-Ehepaar mit warmen, lang anhaltenden Applaus. Die schwermütigen Lieder beider Stimmen und die oft klagenden Tonfolgen der virtuos gespielten Oud werden die Zuhörer sicher noch lange intensiv begleiten. Das Abschiedslied über den lang ersehnten Regen auf die ausgemergelte Landschaft, versinnbildlicht die Hoffnung, dass sich die aktuelle und gefährlich zugespitzte Lage zwischen Israel und Palästina beruhigen und endlich Friede zwischen diesen benachbarten und zutiefst verfeindeten Staaten herrschen möge.

Vor und nach der Veranstaltung konnten sich alle Besucher mit den Künstlern bei Raki und orientalisch zubereiteten Köstlichkeiten der nahöstlichen Küche, für die Frau Hülya Karaca in großzügiger Weise Sorge trug, unterhalten, nachhaken, vertiefen und genießen. Ein großer, einmaliger Abend mit Nachhaltigkeitswirkung interkultureller Menschlichkeit und Sehnsüchte.

Bilder. Hans-Jürgen Porsch - Text: Bausteine Red. 'Zugvögel' und H.-Jürgen Porsch

 

Sonntag, 06. Juli 2014 18:19 Uhr | Alter: 3 Jahre | Dieser Artikel wurde 4137 mal gelesen


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