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26.3.2017 - 16:51

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„Schichtungen“ – Ausstellung u.Vernissage Stadtmühle-Museum

Arbeiten von Dorothea Dudek (Malerei) und Brigitte Heinze (Zeichnung / Druckgrafik). Ausstellung vom 13. März bis 24.April im Museum an der Stadtmühle. Geöffnet an Sonn-und Feiertagen immer von 14:00 bis 17:00 Uhr-Eintritt frei! Spenden gerne! Der Titel dieser Ausstellung verspricht „Schichtungen“, und dies im konkreten wie im übertragenen Sinn. Er lässt zu Recht und zuallererst an Malweisen denken, dann aber auch an verschiedene Bedeutungsebenen, die in unserem Bewusstsein angesprochen werden. Beginnen wir mit dem naheliegenden, dem materiellen Aspekt.

Die bemerkenswerte Ausstellung zweier vielbeachteter Künstlerinnen aus Augsburg im Museum an der Stadtmühle hatte ihre gutbesuchte Vernissage am Sonntag, den13. März.

Die Kunsthistorikerin Dr. Renate Miller-Gruber, Augsburg hielt eine sehr tiefgründige, fast analytische Laudatio beider Künstlerinnen, welche sowohl die Persönlichkeiten, deren Vita, als auch das spezifische Schaffen beider umfasste.

Für die musikalische Umrahmung der Feier konnte Christine Gschwandtner am Klavier und Ina Stengl am Saxophon gewonnen werden. Melodiös und einfühlsam absolvierten beide ihr anspruchsvolles Programm vor begeistertem Auditorium.

Kulturreferentin Christa Seuberth begrüßte als Hausherrin namens der Stadt Pappenheim die Künstlerinnen, die Kunsthistorikerin Dr. Miller-Gruber und die Gäste der Vernissage. Sie schätze sich glücklich, so Seuberth, im Kunst- und Kulturverein Pappenheim einen rundum engagierten Verein vor Ort zu haben, der das Museum an der Stadtmühle mit vielen bunten Leben erfülle und die vielen Ausstellungen ganz unterschiedlicher Art organisiere und betreue. Sie selbst arbeite dort ehrenamtlich und mit großer Begeisterung mit!

Clemens Frosch, 1.Vorsitzender des Vereins gab dieses Lob an seine Beirätinnen weiter, welche diese Ausstellungen organisieren, die jeweiligen Künstler auswähle und mit ihrem Team die Öffnungszeiten der Ausstellungen an Sonn- und Feiertagen betreue. Er begrüßte die Künstlerinnen und ihre Gäste ebenfalls auf das herzlichste und betonte, dass dies die erste Ausstellung des Jahres sei, und diese dann gleich in ihrem Schaffen mit solch ganz unterschiedlichen Künstlerinnen. Er freue sich, so Frosch weiter, auf das vor uns liegende Jahr und seinen künstlerischen Begegnungen in diesen Museums-Räumen.

In ihrer umfassenden Laudatio, die sich aber auch sehr analytisch mit dem Schaffen der einzelnen Künstlerinnen auseinandersetzte, ging Dr. Miller-Gruber zuerst auf die Malerin Dorothea Dudek ein..

Dorothea Dudek, Jahrgang 1960, studierte Malerei an der Kunstakademie in Lodz, bevor sie in Augsburg ein Studium der Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Psychologie anschloss. Ihre zumeist großformatigen Bilder malt sie seit vielen Jahren mit Ölfarben auf grundierte Leinwand. Das heißt, sie verwendet die mit Terpentin verdünnten Farben auf klassische Weise: Diese werden Schicht für Schicht lasierend aufgetragen, wobei Dudek bereits in dieser Phase sanfte Übergänge zwischen Formen und Farben anlegt. Jedem Arbeitsschritt folgt eine Phase, in der die Farbe trocknen muss, bevor eine nächste Malschicht darüber gelegt werden kann. Auf diese Weise wächst das Bild langsam aus dem Untergrund heraus und dabei entsteht jene sehr feine, fast durchsichtige Oberfläche, die durch unendlich viele farbliche Nuancen großen optischen wie sinnlichen Reiz besitzt.

Dann ging Dr. Renate Miller-Gruber auf die andere Künstlerin des Tages über: Brigitte Heintze, Jahrgang 1949, absolvierte zunächst ein Lehramtsstudium, anschließend studierte sie Malerei und Gobelinweberei in Köln. In ihren eher kleinformatigen Arbeiten schichtet sie häufig verschiedene Malmittel, zuweilen auch Papiere übereinander. So nimmt sie beispielsweise bereits bearbeitete Blätter aus ihrem Fundus, ältere Zeichnungen, die sie neu arrangiert, beklebt, zusammennäht und diese dann wieder bemalt. Solche Schichtbilder entdecken Sie in den weißen Rahmen, die Abstand halten und so die Dicke und Dichte des Malgrunds erkennen lassen. Immer wieder finden sich in Heintzes Bildern eingeklebte Zettel, Fotos oder Fragmente von Drucken, und es lässt sich eine „aufbauende“ Malweise beobachten: Behutsam legt sie Zeichnungen an, komponiert dabei verschiedene Farbflächen zueinander, benützt Filzstifte, Kreiden und Tuschen. So interessant sich diese rein „oberflächige“ Betrachtungsweise in einem ersten Schritt aufschlüsseln lässt – und man könnte diese Analyse der Schichten direkt vor den Bildern noch vertiefen – gerät man aber auch an Grenzen und zu der Frage: was steckt dahinter, was motiviert die Künstler zu genau dieser oder jener Arbeitsweise, was impliziert die jeweilige Machart für den Künstler wie wirkt sie auf den Betrachter?

Welche Bedeutungsebenen eröffnen sich für uns? Sie analysierte eine vielbeachtete Serie der Künstlerin, die sogenannten „Briefe an die Mutter“. Brigitte Heintze bietet uns in dieser Serie gleich mit dem Titel eine Möglichkeit der inhaltlichen Annäherung. Viele Jahre lagen die Zeichnungen, die kurz nach dem Tod ihrer Mutter entstanden waren, unberührt. 2013 erweckte sie sie zu neuem Leben. Waren die Arbeiten von damals, Tuschzeichnungen auf Japanpapier, sehr emotional geprägt, wurden sie nun mit einem gewissen zeitlichen Abstand in eine andere Form, in eine andere Bearbeitungsebene gebracht. Drei dieser transparenten Blätter wurden übereinander gelegt und zusammen genäht, und die damit verbundenen Erinnerungen sozusagen verpackt und alte Wunden vernäht. Noch sieht man die mit dem Pinsel gezeichneten Figuren durchscheinen, nur das oberste Blatt wurde gewendet.

Nun erzählen die neuen Oberflächen ganz unterschiedliche „Geschichten“, verbindend ist allein, was dazwischen ruht. Es entstanden lebhafte Szenen, in denen Figürliches zu erkennen ist, Pflanzenteile und Blüten, eingeklebte Fotos und schwungvolle Muster. Flächen und Linien, dazu die feinen Nähspuren, ergeben eine dichtes Gewebe von Formen und Farben und signalisieren - vielleicht einen Neuanfang.

Auch Dorothea Dudek greift in ihren Bildern gelegentlich auf Fotomaterial zurück, das bereits eine „Geschichte“ hat. Dann nimmt sie Aufnahmen her, die sie schon lange begleiteten und die plötzlich wichtig und aktuell werden. Für die Umsetzung in Malerei wählt sie zuweilen nur einen Ausschnitt und vergrößert diesen. Damit verändert sie die ursprüngliche Situation und schafft einen anderen Bildkontext.

Ein weiteres Stilmittel, den Dingen jenseits der Realität eine neue inhaltliche Dimension und neue Tiefe zu verleihen, ist die gemalte Unschärfe. Personen und Objekte, die mit weichen Konturen in einer leicht verschwommenen Umgebung dargestellt sind, verlieren auf diese Weise ihre Individualität, Konkretheit und Bestimmtheit, sie gewinnen dafür an Universalität und Allgemeingültigkeit.

So gibt es unter den Porträts zwar jene „Pariserin“, die aber als Schwarzafrikanerin nicht die typische Vorstellung von einer Pariser „Grande Dame“ vermittelt. Junge Frauen wiederum zeigt Dudek als Vertreterinnen ihrer Generation: Sie sind modisch gekleidet und bewegen sich locker und selbstbewusst. Im Gegenlicht erstrahlen ihre Gestalten lebensnah und in warmen Farben, dabei sind die Gesichter häufig abgewandt. Sie durchschreiten das Bild, verschwinden wieder und entziehen sich so dem Betrachter: Dieser mag Attraktion und Irritation zugleich empfinden und in den Bildern sowohl die Schönheit als auch Flüchtigkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens entdecken.

Auf unserem Weg durch die verschiedenen Malebenen der Bilder hinein in die Tiefen der Bedeutung und Deutungsmöglichkeiten soll ein weiterer Aspekt in den hier gezeigten Werken beider Künstlerinnen betrachtet werden, und zwar ihr Umgang mit dem Raum. Ein spezifisches Motiv bei Dorothea Dudek sind Straßenszenen, aber auch das Interieur. Auch diese Räume entwickeln sich häufig in Schichten: Es gibt in ihnen häufig ein Außen und Innen zugleich, wir sehen Durchgänge und Fenster und erkunden den Raum von Vorne nach Hinten. Doch ganz entscheidend für die atmosphärische Wirkung jener Räume ist das Licht, das alles durchflutet und alle Ebenen miteinander verbindet: Es fällt gefiltert durch die Fenster oder ein Glasdach, spiegelt sich weich auf dem Boden, reflektiert und sammelt sich an den Gegenständen oder Möbeln. Die hell beleuchteten Partien erscheinen schließlich, ebenso wie im Kontrast dazu die dunkel schattigen, formal gedoppelt. Durch die Unschärfe scheint sich der Raum in ein abstraktes Hell - Dunkel aufzulösen. Gerade die nächtlichen Straßenszenen greifen jenes verwirrende Spiel von bunten Lichtquellen, von Scheinwerfern, Lampen, Reklame und erleuchteten Fenster auf. Die verschwommene Wiedergabe vereinheitlicht die räumliche Situation und eröffnet zugleich Projektionsmöglichkeiten für Stimmungen und Gefühle. Ähnliches ließe sich auf die hier gezeigten Landschaften übertragen, die in ihrer Verwischung, wie aus dem fahrenden Auto aufgenommen, an uns vorbei huschen. Beide Künstlerinnen sprechen, wie wir gesehen haben, eine ganz unterschiedliche Sprache, verwenden jeweils andere „Worte“ bzw. Bilder, um ihren Ideen und künstlerischen Visionen, auch eigenen Emotionen, aufs Papier bzw. auf die Leinwand zu bringen. Beide Künstlerinnen stehen mit ihren Ausdrucksmitteln zudem in einer gewissen künstlerischen Tradition.

So kommt man bei Dorothea Dudek nicht umhin, ihre Arbeiten auch im Verhältnis zu den Werken von Gerhard Richter zu sehen. Und die Zeichnungen von Brigitte Heintze führen in gewisser Weise den abstrakt-skripturalen Duktus eines Antoni Tapies oder Cy Twombly fort.

Wie jedoch bei beiden die Kunstfertigkeit, d.h. der professionelle Umgang mit dem Material, zu individuellen Bedeutungs-Schichten führt, wie sich eins mit dem anderen verbindet, ja bedingt und verstärkt, das wiederum verbindet sie in ihrer Besonderheit.

Dem Betrachter bleibt es überlassen, diesen künstlerischen Prozess nachzuvollziehen und sich je nach Temperament und Laune spielerisch leicht oder ernsthaft analysierend darauf einzulassen und sich an den Bildern zu erfreuen.

Herzliches Willkommen im Museum an der Stadtmühle in Pappenheim. Die Ausstellung ist bis zum 24. April an Sonn- und Feiertagen immer von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist immer frei – Spenden werden aber gerne entgegen genommen

Text: Frau Dr. Renate Miller-Gruber/Hans-J. Porsch - Bilder: Adamina Mulder

Samstag, 19. März 2016 13:29 Uhr | Alter: 1 Jahre | Dieser Artikel wurde 1705 mal gelesen


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