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'DER ISLAM - Glaubensrichtungen, Kulturen, Traditionen'

'Der Islam - Glaubensrichtungen, kulturen, Traditionen' so benannte Frau Prof. Dr. Ulrike Bechmann von der Universität Graz den Vortrags- und Nachfrage-Abend im Vortragssaal des Hauses der Bürger, beim Kunst- und Kulturverein Pappenheim e.V. Im Dialog mit mehr als 60 Gästen stellte die katholische Theologin und Islamwissenschaftlerin Aspekte zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Islam und Christentum dar.

Prof. Dr. Ulrike Bechmann, Universität Graz

ο            In ihrer Habilitation zu "Abraham. ... Untersuchungen zum Abrahamparadigma im interreligiösen Dialog" (2005) hat die Religion-Wissenschaftlerin Bechmann die für Christentum und Islam gleichermaßen bedeutsame Frage nach Geschichtlichkeit und Basis-Relevanz des 'Stammvaters' der drei monotheistischen Religionen dargestellt. Sie nannte einleitend Hypothesen aus ihrer Habilitation-Schrift, und führte die Zuhörer so gleich ins Zentrum:

Die drei monotheistischen Welt-Religionen Judentum, Christentum und Islam sind auf mannigfache Weise miteinander verbunden und wegen divergenter Kulturen-Entwicklungen gleichzeitig oft weit voneinander entfernt.

 o           Religion ist stets eng mit Kultur verbunden. Ob Texte,Architektur, Kunst, ob Lebensart oder Kult, - Kultur und Religion haben sich jeweils innig aufeinander bezogen entwickelt. So die erste These von Bechmann, mit der sie ihr Vortrag-Ziel deutlich machte :: Wechselseitiges Verstehen setzt Wissen um die kulturelle Andersartigkeit voraus; so kann verstehende Toleranz gefestigt werden.

 o           Ihren Religion-wissenschaftlichen Ansatz stellte sie den gespannten Zuhörern vor, indem sie zunächst die Ausbreitung des Islam im 7. Jahrhundert und die gespaltene Entwicklung unter den Nachfolgern Mohammeds kurz beschrieb.

Die auf der arabischen Halbinsel traditionell gegebenen Stammes-Herrschaften ließen erwarten, daß der Nachfolger Mohammeds einer aus seinem Stamme werden solle. Dem widersprach eine andere Vorstellung, der 'Frömmste' solle auch der religiöse Führer werden. Die frühe Spaltung in Schiiten (Anhänger das legitimen Stammes-Nachfahren Ali) und Sunniten (Anhänger des politischen und religiösen Führers Abu Bakr) geht u.a. auf diese Kontroverse nach dem Tode Mohammeds zurück.

Im Zuge der Ausweitung des Islam bereits unter Mohammed (Expansion 622 - 632), dann unter den vier 'recht-geleiteten' Kalifen (632 - 661) und danach unter den Umayyaden (661–750), also im Zuge religiöser und Macht-politischer Expansionen, reichte der Einfluß des Kalifats binnen 130 Jahren von den Grenzen Indiens im Osten bis zum arabischen Maghreb und der iberischen Halbinsel im Westen.

Die Sunniten stellen heute die weltweit größte Konfessionen-Gruppe im Islam.

 o           Der Religion-Stifter - der Prophet Mohammed - hat den Koran, die Heilige Schrift des Islam als wörtliche Offenbarung Gottes etwa ab dem Alter von 40 Jahren gehört (so wird es überliefert) und als Prophetie verkündet. Schriftlich wurde der Koran in unterschiedlichen Fassungen ab Mitte des 7. Jahrhunderts fixiert. Dieses Werk gilt den Muslimen als die Erfüllung von Judentum und Christentum.

Der Koran bedarf - vielleicht noch mehr als die Bibel - der Zusammen- schau und der Interpretation, um verstanden zu werden. Dies ist auch einer der Gründe für Kontroversen über dieses Buch, weil jede Übersetz- ung des Koran über die je verschiedene Wort-Wahl unterschiedliche neu-Interpretation enthält.

Der Koran hatte weitreichende Sprach-bildende Auswirkungen (vergleichbar Luthers Bibel-Übersetzung); er ist ein großes Werk der Weltliteratur. Sein Arabisch wirkt als klassisches Hoch-Arabisch (in Grammatik und Schrift) bis in die Gegenwart.

Die (einstige wie auch die derzeitige) Vielsprachigkeit erfuhren über den Islam - vor allem mittels des Koran - eine einheitliche Verkehrssprache, das Arabische. Das Sprachwunder Koran hatte eine Sprache-bildende Wirkung über die Jahrhunderte.

 o           Parallel zu ihren historischen und Religion-wissenschaftlichen Ausführungen ging Frau Bechmann auf die Fragen der Zuhörer ein. Ihre Anmerkungen zum Thema Fundamentalismus: Anfang des 20. wurde dieser Begriff von konservativen Theologen (USA) eingeführt und von radikalen christlichen Gruppierungen aufgegriffen.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts vollzog sich eine Verlagerung und eine Ausweitung des Begriff-Inhalts. Heute werden als Anlaß und Rechtfertigung von Fundamentalismen vor allem genannt die für ungezählte Menschen bedrohliche Leben-Unsicherheit, eine zur Verelendung führende Armut, Perspektivlosigkeit wegen der demografischen Entwicklung, aber auch die Aus- und Nach-Wirkungen der Jahrhunderte währenden von Europa ausgehenden Kolonial-Politik und heute die Unterstützung destabilisierender Kräfte weltweit durch riesige Waffenexporte der großen Industrie-Nationen.

 o           Frauen und Islam :: Religion entwickelt sich weitgehend in Abhängigkeit von Kultur. Einer der Dissense, der in deutschen Kreisen immer wieder zu Kontroversen führte, berührt diese Unsicherheit: Ist das Kopftuch (der Schleier) von der Islam-Religion gefordert, ist es ein Ausdruck von politischer Haltung, wird es als Zeichen bedrohter Identität demonstrativ getragen, ist es ein Teil islamischer Kultur, ist diese Art Kultur in Deutschland integrierbar? Frau Bechmann erkennt im Schleier auch ein selbstbewußtes Identität-Merkmal von zunehmend mehr Frauen in europäischen Ländern.

Die Rolle vieler in Europa lebender Muslima. Sie durchleben in den letzten Jahrzehnten nicht nur die Brüche in der eigenen Biografie, sie sind Zeugen von Kontroversen um den 'Euro-Islam'. Und sie sind Zeit-gleich Zeuginnen der in Europa geführten Diskurse über Feminismus und Geschlechter-Rollen. Viele Muslima haben da bereits Positionen gefunden, andere suchen danach.

 o           Manche Vorurteile gegenüber dem Islam haben in europäischen Ländern christliche Wurzeln; Vorurteile sind nicht neu. Akut wurden sie mit der zunehmenden Einwanderung türkischer Muslime ab Mitte des 20. Jahrhunderts und mit der Diskussion über die Integration von Migranten. Die Referentin warb für ein befriedetes Zusammen-Leben der Religionen in unserem Land.

Ein einfach klingendes Prüfverfahren empfiehlt Prof. Bechmann, wenn einem daran gelegen ist, eigenes Denken oder eine fremde Position auf deren Vorurteil-Gehalt hin zu prüfen: „Machen Sie die Gegenprobe, indem Sie den Begriff Islam mit dem Begriff Christentum austauschen :: Wie verändert sich damit Ihre Sichtweise?“

    Text: Helmut M. Selzer,

    mit allerherzlichsten Dank für die Aus- und Herausarbeitung der Inhalte des Dialog-Abends;

                                                       Bilder: Hans-Jürgen Porsch                  

 

Prof. Dr. Ulrike Bechmann, Universität Graz

Vollbesetzter Vortragssaal im K14-Haus der Bürger /1.OG.

Prof. Dr. Ulrike Bechmann, Universität Graz
Freitag, 27. September 2013 12:57 Uhr | Alter: 4 Jahre | Dieser Artikel wurde 5167 mal gelesen


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