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19.10.2018 - 9:02

Kalendarium

Täglich neu aus dem  Bistum Eichstätt.

Kalenderblatt

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Gier Macht Krieg

Zur diesjährigen Ökumenischen Friedendekade 2011 in der Katholischen Kirche in Pappenheim seien Sie alle herzlich willkommen. Sie findet vom 6. bis 16 November jeweils um 19:00 Uhr statt.

In der diesjährigen Dekade bitten wir Gott nicht nur um Frieden für unsere Welt. Wir bitten Gott auch um Kraft, Gier, Machtmissbrauch und Kriegsbereitschaft zu überwinden. Die jeweiligen Abendandachten laden uns ein, darüber nachzudenken; denn »Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben«.

In diesem Sinne möchte auch der nachfolgende Text zum Nachdenken anregen:

„Allein den Betern kann es noch gelingen,
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.“
 

Berühmt sind diese Verse Reinhold Schneiders, die in der Nazi-Zeit die Runde machten. Angesichts von Unrecht und Ohnmacht damals erinnert der badische Dichter an die Macht des Gebetes. Wo das Elend der Menschen – wie damals in Nazi-Deutschland, wie heute im Vorderen Orient oder in Tschetschenien – wortwörtlich „zum Himmel schreit“, gibt es nur eine Adresse noch, die helfen könnte. Gebet nicht als faule Ausrede, als Flucht aus der Realität – ganz im Gegenteil. Reinhold Schneider spricht vom geheiligten, vom christlich entschiedenen Leben, und dazu gehören Gottvertrauen und Friedensbereitschaft in allem. Wo die Verhältnisse derart verwickelt sind, wie jetzt im globalen Gleichgewicht der Schrecken, konkret im Vorderen Orient oder in Tschetschenien, da ist keine Gefahr hierzulande größer als die der Resignation oder der Schlaumeierei. Dagegen spricht Reinhold Schneider: „Allein den Betern kann es noch gelingen...“

„...
Denn Täter werden nie den Himmel zwingen: 
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten, 
Was sie erneuern, über Nacht veralten, 
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt 

Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,

Indes im Dom die Beter sich verhüllen,


Bis Gott aus unseren Opfern Segen wirkt

Und in den Tiefen, die kein Aug entschleiert, 

Die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.“

Vergessen wir nicht: als der große Christ Reinhold Schneider sich in der Adenauer-Zeit damals entschieden gegen die Bewaffnung der Bundeswehr und die Wiederaufrüstung aussprach, wurde er auch von vielen in seiner eigenen Kirche allein gelassen, geächtet und an den Rand gedrängt. Was er in diesem Gedicht empfiehlt, holte ihn selber ein. Aber ist es nicht diese Haltung inständigen Gebets und kraftvoller Solidarität, die jetzt an der Zeit ist, auch heute? Jedes gebetete „Vaterunser“ ist, ernsthaft gesprochen, ein Beitrag zum Weltfrieden. Wer sich resignativ mit dem Gang der Dinge bloß abfindet, wäre arm dran; er ließe die Welt zum Teufel gehen, er verriete die Solidargemeinschaft aller Menschen, ja aller Kreatur. Beten im Sinne Reinhold Schneiders ist das genaue Gegenteil, nämlich gelebte und praktische Friedensarbeit. „Vergibt uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“!

Gotthard Fuchs

SWR 2 - Wort zum Tag (III) - 1. 2. 2003)

Arno Boesch

Dienstag, 08. November 2011 12:09 Uhr | Alter: 7 Jahre | Dieser Artikel wurde 8633 mal gelesen


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